islandrabe

Tagwerk in den Feldern der Kunst und Kulturwissenschaft

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am Tropf

Sitzmöbel mit 'flüssigen' Eigenschaften, Zeichen der Zeit und momenthafte Rhythmen

am Tropf, islandrabe 2017


Ausgangspunkt

Zeit vergeht, wenn Veränderung spürbar ist. Ein Tropfen erzeugt derartig wahrnehmbare Unterschiede. Einzeln ist er als Symptom eines undichten Wasserhahns eine Metapher der zäh verrinnenden Zeit. In Mehrzahl – z.B. nach einem Regenschauer entlang einer Hausdachkante – werden Tropfen bei ruhiger Umgebung zur Rhythmusgruppe, in der jeder seinen eigenen Trommler hört. Zufällige Klangkompositionen sind das Ergebnis, wovon manche durch eine komplexe, schöne Einfachheit beeindrucken. Aus diesen Phänomenen der Zeit- und Naturerfahrung heraus entstand die Klanginstallation „am Tropf“. Vier Sitzmöbel, wie sie für das poolbar-Festival gestaltet wurden, nahmen dafür am Montfortplatz Platz (Bild 1 & 2); samt Innenleben, das Tropfgeräusche wiedergibt.

am Tropf vor dem Montforthaus in Feldkirch Bild 1

Die Klangkörper platziert auf dem Grünbereich am Montfortplatz Bild 2


Form und Funktion

Eine Reihe an vier Hockern ist entlang einer Linie verteilt (Bild 3). In ihnen ist jeweils ein Klangkörper eingebaut, der ein Tropfgeräusch wiedergibt. Der 'Normalzustand' der tropfenden Hocker ist Einklang: Alle Tropfen erklingen synchron zentral gesteuert im Sekundentakt; doch jeder einzelne Hocker kann für sich aus dem Takt gebracht werden. Dafür ist vor Ort das WLAN-Netz "amTropf" eingerichtet, über das lokal eine Website zur Steuerung der Tropfen (Bild 4) aufgerufen werden kann. Per SmartPhone kann so die Anzahl der Tropfen pro Minute für jeden der Hocker einzeln geändert werden – als Abweichung plus-minus vom Sekundentakt. Aus dem Einklang werden so reduzierte, vielschichtige Rhythmen (eine Klangprobe bietet Video 1) – aus dem Zeichen der Zeit (den steten Tropfen) wird ein bewusster Moment des Hinhörens. Geschehen längere Zeit keine Taktänderungen per Website, pendeln sich die Tropfen wieder auf den Sekundentakt ein – bis wieder am Takt gedreht wird und Rhythmen erzeugt werden.

Visualisierung der Hocker Bild 3

Website zur Steuerung der Klanginstallation Bild 4

Video 1


Ausführung

So wie die Hocker vom Architekturteam des Festivals gestaltet wurden, so wurden sie verwendet, um durch eingebaute Outdoorlautsprecher samt Lautsprechergehäuse als Klangkörper zu dienen. Jeder Hocker-Lautsprecher ist über einen Verstärker mit einem eigenen Ausgang einer Soundkarte verbunden und ist somit einzeln ansteuerbar. Die Wiedergabe der Sounds, die Veränderung der Taktdauer und das Einpendeln auf den Grundtakt steuert ein dafür entwickeltes Audioprogramm. Die Daten zur Änderung des Taktes erhält dieses Programm durch einen Webserver, der die Steuerungs-Website über das lokale WLAN-Netz anbietet. Wird an einem Regler einer geöffneten Website geschoben, so erhält der Webserver die Daten der Änderung und gibt diese an das Audioprogramm weiter. Dieses passt den Takt an und bestätigt dem Webserver, dass die neuen Werte übernommen wurden, was dieser wiederum – zwecks Echtzeitanzeige – an alle ausgesendeten Websites weitergibt. Über diesen Kreis an Funktionen ergibt sich das 'Verhalten' der Klanginstallation (Video 2 zeigt, wie per Website der Takt geändert wird).

Aufbau der Klanginstallation, die vier Hocker Bild 5

Video 2


Vermittlung

Das Werk war als Prototyp (Bild 6, Foto: Matthias Rhomberg) von 8.6. bis 23.6.2017 Teil der Ausstellung "POOLBAR-GENERATOR 2017. Von der Idee zum Konzept zum Festival" im Bildraum Bodensee und ist von 7.7. bis 15.8.2017 als Kunstwerk im öffentlichen Raum am Montfortplatz in Feldkirch Teil des poolbar Festivals.

Aufbau Bildraum Bodensee; Foto: Matthias Rhomberg Bild 6


Auftrag

Das Werk "am Tropf" wurde im Rahmen des poolbar-Generator 2017 entwickelt und im Auftrag der poolbar Kultur gGmbH realisiert, 2017.

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